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Solare Produktionstechnik
Industriemotor Photovoltaik
Aus kleinen Tüftler-Keimzellen wie Berlin und Erfurt entwickelten sich in Deutschland starke Hersteller- und Zulieferer-Cluster. Sie bringen ihren Regionen Jobs und befruchten mit ihren Innovationen die globale Solarindustrie.
Solche Statistiken stellt ein Funktionär gern vor. Produktion: plus 20 Prozent; Umsatz: plus 90 Prozent – und das alles innerhalb des letzten Jahres. Diese beeindruckenden Werte gehören zur deutschen Solarindustrie. „Unsere Branchenzahlen stellen manch alteingesessenen Wirtschaftszweig in den Schatten“, kommentiert Carsten Körnig, Geschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW), die neuesten Erhebungen seines Verbands.
Erfolgsmeldungen sind für Körnig zur Routine geworden: Seit Jahren eilt die Photovoltaik (PV) in Deutschland von Rekord zu Rekord. Als die rot-grüne Bundesregierung 2003 mit dem sogenannten PV-Vorschaltgesetz zum EEG eine stärkere Förderung des Solarstroms beschloss, zeigte die Maßnahme schnell Wirkung: Von 2003 bis 2010 haben sich die PV-Neuinstallationen in Deutschland auf 7400 Megawatt (MW) mehr als verfünfzigfacht. Mittlerweile beschäftigt die deutsche Solarindustrie 133000 Menschen und setzt 20 Milliarden Euro um – genau so viel wie die Biotechnologie, die Vorzeigebranche in Deutschland.
Ökobewegte Tüftler, die schon in den Siebzigerjahren an Solartechnik schraubten, zündeten den PV-Motor. Eines ihrer Zentren war Berlin. Ein Kollektiv aus elf Ingenieuren rief dort 1996 die Arbeitsgemeinschaft Solarfabrik ins Leben, woraus 1997 der Modulbauer Solon hervorging. Eine andere Gruppe um den „Wuseler von Berlin“, Reiner Lemoine, gründete 1996 in der Bundeshauptstadt die Firma Q-Cells, die 2001 im anhaltinischen Ort Thalheim eine Zellenproduktion auf die grüne Wiese setzte. Erfurt erwies sich als weitere solare Keimzelle: 1997 baute der Mikrotechnologe Jürgen Hartwig dort gemeinsam mit Geschäftsfreunden die Firma Ersol auf. „Anfangs haben die ihre Zellen auf vier ausrangierten Maschinen von AEG produziert“, sagt Peter Frey, Geschäftsführer des Branchenclusters „Solarvalley Mitteldeutschland“. Dann nahm Ersol Fahrt auf: Es wuchs zum zweitgrößten deutschen Zellenhersteller, ging an die Börse und wurde schließlich 2009 als Hightech-Unternehmen von Bosch übernommen.
Heute sind Q-Cells und Bosch Solar Energy die Leuchttürme des Solarvalley, dem inzwischen 34 Hersteller und zehn Zulieferer angehören und das insgesamt 15.000 Menschen Arbeit bietet. Und das Solarvalley wirkt weit über die Grenzen Deutschlands hinaus: Weltweit beziehen Unternehmen Zellen aus dem Cluster und bauen daraus Module, die sie erfolgreich verkaufen. Das wiederum sorgt für Wachstum und Jobs in China und Co.










