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Solarworld leidet stärker unter Preisverfall als erwartet
01.03.2010
Das Photovoltaik-Unternehmen Solarworld hat im vergangenen Jahr stärker unter dem heftigen Preisverfall in der Branche gelitten als erwartet. Trotz eines starken Schlussquartals sank der operative Gewinn (EBIT) um mehr als 40 Prozent auf 151,8 Millionen Euro, wie die im TecDax notierte Gesellschaft am Donnerstag in Bonn mitteilte. Damit verfehlte das Unternehmen die Erwartungen von Analysten deutlich. Der Überschuss brach sogar um 60 Prozent auf 59 Millionen Euro ein. Dafür machte der Vorstand auch negative Steuereffekte verantwortlich.
Die Aktie verlor am Vormittag mehr als 4,5 Prozent an Wert. "Die vorläufigen Zahlen haben unsere und die Erwartungen des Marktes in jeder Hinsicht enttäuscht", sagte Analyst Sebastian Growe von der Investmentbank Equinet. Er will nun seine Schätzungen überarbeiten. "Einen umfassenden Ausblick gibt es auch nicht", monierte ein Händler.
Solarworld schlug sich aber immer noch deutlich besser als viele andere Firmen der Branche, die angesichts der dramatischen Veränderungen des Solarmarktes tief in die roten Zahlen gerutscht waren. Den Absatz steigerten die Bonner um 38 Prozent, der Umsatz wuchs um gut 12 Prozent auf 1,01 Milliarden Euro, wie das Unternehmen bereits Anfang Januar mitgeteilt hatte.
DIVIDENDE SOLL STEIGEN
Trotz des Gewinnrückgangs deutete Unternehmenschef Frank Asbeck im Gespräch mit der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX eine erhöhte Dividende an: "Sie wird tendenziell leicht steigen." Entschieden werde darüber am 15. März, wenn sich Vorstand und Aufsichtsrat treffen.
Im vergangenen Jahr hatte sich das Solargeschäft dramatisch geändert. Binnen kürzester Zeit kippte der Verkäufermarkt, als Solarmodule Mangelware waren und die Unternehmen gar nicht genug produzieren konnten, in einen von Überkapazitäten geprägten Käufermarkt. Das lag unter anderem daran, dass der 2008 weltweit größte Markt in Spanien wegen drastisch gekappter Fördergelder praktisch komplett einbrach. Dann gingen neue Fabriken vor allem in China in Betrieb. Zudem erschwerte die Finanzkrise die Finanzierung von Großprojekten. Die Preise für Solaranlagen gingen auf Talfahrt.
PREISVORTEIL FÜR SOLARWORLD
Asbeck bezifferte den Rückgang auf rund ein Drittel für Solarmodule. Davon blieb auch Solarworld nicht verschont, obwohl das Unternehmen dank einer geschickten Marketingkampagne und seiner Premiumstrategie immer noch einen höheren Preis verlangen kann, als viele Konkurrenten gerade aus Asien. Die Rückgänge versucht Solarworld durch Einkaufskostenreduktion, technologischen Fortschritt und Produktivitätssteigerung auszugleichen. Im zweiten Halbjahr 2009 gelang das nicht. "Ein Teil der Kostensenkungen etwa auf der Einkaufsseite aus dem vergangenen Jahr wird sich erst 2010 positiv auswirken", sagte Asbeck.
Im laufenden Jahr rechnet Solarworld nach einer Stagnation 2009 wieder mit einem weltweit deutlichen Wachstum des Marktes. "Ich gehe von einem Plus von 30 Prozent auf 10 Gigawatt aus", sagte der Vorstandschef. Davon wolle sich sein Unternehmen einen großen Anteil sichern. Als Ziel für dieses Jahr hat Solarworld angegeben, die Milliardengrenze nachhaltig überschreiten zu wollen. Zur erwarteten Profitabilität machte Asbeck wie schon im vergangenen Jahr keine konkreten Angaben.
WACHSTUM AUCH IN DEUTSCHLAND
Trotz der von der Bundesregierung geplanten Einschnitte bei der Solarförderung erwartet der Unternehmenschef auch in Deutschland ein Wachstum von 30 Prozent. Er begründete das unter anderem damit, dass bis Ende Juni wegen der dann noch gültigen alten Fördersätze der Boom anhalten werde. Aber auch danach sieht Asbeck sein Unternehmen nicht auf der Verliererstraße. "Wir halten die Senkung der Einspeisevergütung um 16 Prozent zwar auch für zu hoch, allerdings wird diese durch die erhöhte Förderung des Eigenverbrauchs abgemildert." Sein Unternehmen als Komplettanbieter von Systemlösungen werde von dieser Regelung profitieren. Dass die Förderung von Anlagen auf Ackerflächen ganz wegfallen soll, begrüßte Asbeck. "Der Sonnenstrom gehört aufs Dach."
Quelle: SolarWorld









